„It´s a together thing“ – dieses geflügelte Wort wird bei der integrierten Marketing- und Werbeagentur Havas bereits zu großen Teilen gelebt. Warum Agilität in der Teamzusammensetzung und Arbeitsweise die Agenturwelt über kurz oder lang maßgeblich bestimmen wird und über die Zukunft von cross-agency Teams, hat Oliver Klein mit dem Trio Daniel Floyed (Managing Partner Havas Worldwide London), Mark Whelan (Global Creative Director Havas Creative Group) und Tash Whitmey (CEO Havas Helia) im cherrytalk gesprochen:

Oliver Klein: „Was werden die wichtigsten Veränderungen in der Kommunikation in der nahen Zukunft sein? Und was die wichtigsten Trends?“
Mark Whelan: „Data-driven Content und alle dazugehörigen Entscheidungen – im Sinne von wo und wann der Content platzieren werden soll und was die eigentliche Botschaft ist. Die Verantwortung darüber, wie die Botschaft präsentiert wird, liegt weiterhin bei den Menschen dahinter.“

Oliver Klein: „Welche Auswirkungen hat dies auf Agenturen und deren Arbeitsmodell? Müssen sie sich verändern, anpassen, umdenken? Wie?“
Daniel Floyed: „Agilität und aufrichtige, nachhaltige Zusammenarbeit sind der Schlüssel. Die Industrie hat sich an ein starres Modell gewöhnt, das bereits heute Old School wirkt, und besteht weiterhin darauf. Das ist nichts Neues. Neu ist, dass wir denken, die Antwort auf diese Frage läge in integrierten starren Modellen oder Teams. Und das ist falsch.

Agile Teams, die ständig auf Daten und Medien zugreifen können, um sich flexibel in Echtzeit zu entfalten – das ist die Zukunft. Und so machen wir es bei Havas. Setzen wir es bereits zu 100% um? Nein. Aber wir befinden uns auf dem Weg dahin und vor allem ist uns klar, wohin es geht und was wir dafür brauchen. Unsere Kunden gehen mit – „it’s a together thing“, sagen wir bei Havas.“

Oliver Klein: „Welche Auswirkungen hat dies auf Kunden und deren Arbeitsweise mit Agenturen?“
Daniel Floyed: „Das ist eine wirklich gute Frage. Wir versuchen intensiv und mit allen Kräften, unser Arbeitsmodell im Sinne der Industrie weiterzuentwickeln – aber wir verbringen nicht annähernd genug Zeit mit unseren Kunden, um die „eine Antwort“ auf die Herausforderungen der Zukunft zu finden. Unsere Kunden brauchen nicht noch mehr Komplikationen und Prozesse in ihrem Leben. In der Zusammenarbeit – als echter Partner auf Augenhöhe – haben wir die Verantwortung, Einfachheit und Brillianz voranzutreiben. Wenn wir das tun wollen, ohne Grauzonen in der operativen Umsetzung, werden wir bei Weitem stärkeren Wachstum liefern können. Für unsere Kunden und für uns.“

Oliver Klein: „Kooperationen zwischen Agenturen gewinnen mehr und mehr an Bedeutung, sind fast schon unvermeidlich. Ist dies das Ende der Full Service-Agenturen?“
Tash Whitmey: „Hier bei Havas arbeiten wir zusammen mit unseren Kunden an der bestmöglichen Lösung. Und wenn die Aufgabe verschiedene Disziplinen erfordert, wie Kreation, Data, Mobile Solutions und Media, dann sind wir bereit, unter einem Lead und einer Gewinn- und Verlustrechnung zusammenzukommen, um der Herausforderung als Team zu begegnen. Bei Havas arbeiten wir bereits für viele Kunden mit einem cross-agency Team, zum Beispiel für Pernod Ricard, Birds Eye Iglo und Unilever. Und in 2017 werden alle unsere Londoner Agenturen unter einem Dach zusammen kommen, in Havas Village in Kings Cross. Ich denke nicht, dass die Entwicklungen der letzten Jahre das Ende der Full Service-Agenturen bedeuten. Viele Kunden haben sehr spezielle Anforderungen, die Full Service-Agenturen sehr gut bedienen können. Ich bin glücklich, sagen zu können, dass bei uns der Kunde immer die Top Priorität hat und daher leben wir Zusammenarbeit – sie liegt in unserer DNA.“

ZUSAMMENFASSUNG IN 3 THESEN:

  • Kollaboration steht am Anfang jeder guten Kunden-Agentur-Beziehung. Agile Teams, die ständig in Echtzeit auf Daten und Medien zugreifen können, sind die Zukunft der Kommunikation
  • Agenturen sollen das Leben ihrer Kunden einfacher machen. Das geht nur, wenn die Agentur sich am Kunden orientiert
  • Kunden müssen sich öfters mit ihren Agenturen an einen Tisch setzen und Prozesse sowie Modelle der Zusammenarbeit diskutieren. Neben guter Kreation müssen effektive Business-Lösungen erarbeitet werden.